über Wort und warte

Gedichte

keiper lyrik 18

von  Barbara Rauchenberger

Mit Barbara Rauchenbergers Gedichtband “über Wort und warte” präsentiert die Reihe keiper lyrik ein literarisches Debüt, das eigentlich keines ist – denn mit Veröffentlichungen in renommierten Literaturzeitschriften, die auch zur Zuerkennung des manuskripte-Literaturförderungspreises der Stadt Graz führten, hat sich die Dichterin bereits einen Namen gemacht. Nun liegt, längst überfällig, ihr erstes Buch vor. Rauchenbergers Gedichte sind scheue Wesen. Wer die falschen Fragen an sie richtet, dem entfremden sie sich mit stummem Kopfschütteln. Es sind Verse, die in flimmernder Schwebe bleiben, schmale, durchscheinende Textkörper, die konsequent auf das verweisen, was außerhalb herkömmlicher semantischer Festschreibungen liegt. Nicht das Erzählte, sondern die Differenz zum Erzählbaren ist der Stoff, aus dem diese Dichtung gemacht ist. Sie baut ganz auf einen Wesenszug des Genres, über den kaum zu sprechen ist und der daher im Lyrikdiskurs häufig auf der Strecke bleibt: “Gedichte wollen und sollen in das sonst nicht Sagbare eindringen.” (Michael Hamburger) So machen es Rauchenbergers Gedichte dem Leser, der Leserin nicht einfach, da sie eine besondere Herangehensweise erfordern, gewissermaßen eine Lesebereitschaft über das Lesen hinaus. Es lohnt sich, diese aufzubringen – denn wenn Ludwig Wittgenstein die Grenzen der Welt mit jenen der Sprache gleichsetzte, dann bedeutet eine Lyrik, deren Qualität so kompromisslos auf eine Entgrenzung der semantischen Räume abzielt, einen wesentlichen Zugewinn an Welt. Situiert ist dieses Neuland in einem literarästhetischen Gelände, das mit Zitaten von Friederike Mayröcker, Durs Grünbein, Jan Skácel, Yves Bonnefoy, Inger Christensen, Johannes Bobrovski und anderen klar abgesteckt ist – große Namen, denen Rauchenberger auf Augenhöhe begegnet.

 

ISBN13: 978-3-903144-58-3

Erscheinungsdatum: 09.2018

Seiten: ca 80

Sprache: Deutsch

Format: 17,6 x 11,0 cm; Broschur

 

Foto: © maedusa.net

1 Bewertung für über Wort und warte – keiper lyrik 18

  1. Christoph Janacs

    Schon beim Titel stolpert man: „über Wort und warte“, und so ergeht es einem auch beim Lesen von Barbara Rauchenbergers (*1968) erstem Gedichtband. Ihre Gedichte „sind scheue Wesen. Wer die falschen Fragen an sie richtet und Zutritt zu stabilen, eindeutig vermeßbaren Bedeutungsräumen verlangt, dem entfremden sie sich mit stummem Kopfschütteln.“ schreibt Helwig Brunner treffend in seinem Nachwort. Nur – was sind die richtigen Fragen? Oder ist es nicht besser, keine Fragen zu stellen und sich ganz einfach Rauchenbergers Worten zu überlassen und zu vertrauen, daß sie schon wissen, was sie meinen, und uns staunende, kopfschüttelnde LeserInnen weiterführen, als es die erste Lesart nahelegt? „Ich geh / durch meine Schuld / führt Schnee // So viel ich weiß / sind Quitten blau“, lautet eines ihrer geheimnisvollen kurzen Gedichte und ein anderes: „Kann sein / der Schmerz am Ende / spornt uns an“. Oft sind ihre Gedichte von aphoristischer Kürze, lesen sich manchmal wie buddhistische Koans, erschließen sich selten nach dem ersten Lesen. Die Frage ist, ob sich Gedichte wie diese erschließen lassen wollen, überhaupt entschlüsselbar sind, ohne ihren Reiz zu verlieren. Im Fall von Rauchenbergers Gedichten und lyrischen Notaten vertraue ich ganz ihrer Poesie und freue mich über Verse wie diese: „Kein Wort ist zu hören / unterm Goldrand des Sommers / geistert die Zeit // und das Bangen der Gräser / leuchtet uns ein“ (aus „ars vivendi“).

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