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Literaturquiz -- Zitate |
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| Der Protagonist, Bardamu der Medizinstudent, kämpft sich durch eine verkommene Welt voller Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Als Subalterner im Ersten Weltkrieg, als Handlanger der Besatzer in den französischen Kolonien, als Arbeiter bei den Ford-Werken in den USA und schließlich als Armenarzt in der Gegend von Paris. |
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| Diese Einleitung, diese unglaubliche Korrektheit, verhießen eine langsame und qualvolle Todesart. Dieser Mann war wie ein Stück Krieg, das man mir plötzlich auf den Weg geschmissen hatte, hartnäckig, unabwendbar, mörderisch. Hinter ihm tauchten plötzlich, höchst gespannt, vier Subalternoffiziere auf, die mir die Tür zum Zwischendeck versperrten. Die Eskorte des Verhängnisses. Also bestand keine Möglichkeit zu fliehen. Die Phasen der Unterredung waren wohl bis ins kleinste vorher festgelegt worden. “Mein Herr, vor Ihnen steht Hauptmann Frémizon von der Kolonialarmee! Im Namen meiner Kameraden und der mit Recht über Ihr Benehmen empörten Passagiere des Schiffes habe ich die Ehre, Sie zur Rechenschaft zu ziehen! Einige Bemerkungen, die Sie seit der Abreise von Marseille über uns gemacht haben, können wir nicht ruhig hinnehmen!...Jetzt ist der Augenblick für Sie gekommen, mein Herr, wo Sie endlich Ihre Beschwerden laut und deutlich aussprechen können, öffentlich erklären, was Sie seit einundwzanzig Tagen ehrloserweise nur ganz leise herumerzählen...Mit einem Wort, wir möchten endlich wissen, was Sie von uns halten!“ Ich empfand bei diesen Worten eine unglaubliche Erleichterung. Ich hatte schon befürchtet, den Todesstoß nicht mehr abwehren zu können, aber da der Hauptmann gesprochen hatte, bot er mir die Möglichkeit, ihm noch zu entgehen. Ich stürzte mich auf diese Chance. Für den, der sich darauf versteht, bietet jede Gelegenheit zum Feigsein wunderbare Möglichkeiten. Das ist meine Ansicht. Man darf nur nicht allzu penibel in der Wahl der Mittel sein, die vor der Abschlachtung bewahren könnten, und darf keine Zeit mit dem Suchen nach den Gründen verlieren, die zur Verfolgung geführt haben. „Herr Hauptmann!“ entgegnete ich ihm mit soviel Brustton der Überzeugung wie ich nur aufbringen konnte. „Sie waren im Begriff, einen höchst bedauerlichen Irrtum zu begehen! Sie! Und ich! Wie können Sie mir so niederträchtige Gedanken zutrauen? Das ist wirklich zu ungerecht! Man könnte die Kränke darüber kriegen! Was? Ich, der noch vor kurzem das teure Vaterland verteidigt hat? Dessen Blut jahrelang in fürchterlichen Schlachten mit dem Ihren zusammengeflossen ist? Wie schrecklich wollten Sie mir Unrecht tun, Herr Hauptmann!“ Und dann wandte ich mich der Gruppe der andern zu: „Was für einer abscheulichen Verleumdung haben Sie Ihr Ohr geliehen, meine Herren? Sie waren imstande anzunehmen, daß ich, ein Bruder im höheren Sinn, schmutzige Klatschereien über tapfere Offiziere verbreitet hätte? Das ist zuviel! Wirklich, das ist zuviel! Und noch dazu im Augenblick, wo ihr Helden, ihr glorreichen Helden, gerade unterwegs seid, um mit Kühnheit ohnegleichen die Wacht unseres stolzen Kolonialreichs wieder anzutreten! – Wo die herrlichsten Soldaten unseres Stammes sich mit unsterblichem Ruhme bedeckten! Mangin! Faidherbe! Galliéni! Ach, Herr Hauptmann! Das mir?“ Ich hing noch in der Luft. Hoffentlich war meine Rede herzbewegend gewesen. Glücklicherweise hatte sie kurze Zeit so gewirkt. Ich benutzte, ohne weiter zu fackeln, diesen kurzen Waffenstillstand im Phrasenwechsel, ging auf ihn zu und schüttelte ihm bewegt die Hände. Solange ich seine Hände festhielt, war ich beruhigter. Ich drückte sie immer fester und setzte dabei mit großer Zungenfertigkeit meine Auseinandersetzungen fort. Ich gab ihm recht, tausendmal recht, aber ich erklärte, daß wir unsere Beziehungen neu beginnen müßten, und diesmal richtig! Daß nur meine angeborene dumme Schüchternheit an diesem tollen Mißverständnis schuld sei! Gewiß hatten meine Reisegefährten und –gefährtinnen, die so tapfer und so reizend waren, mein Benehmen leicht als Hochmut mißverstehen können...Und das geschah mir seitens so großer Persönlichkeiten und Talente...Ohne die unerhört musikalischen Damen, diese Zierden der Schiffsgesellschaft vergessen zu wollen!...Ich gab ihnen jede gewünschte Ehrenerklärung ab und bat gleichzeitig um Aufnahme in ihren frisch-fröhlichen und patriotischen Kreis...Wo ich mich bemühen wollte, von diesem Augenblick an eine liebenswürdigere Rolle zu spielen...Ich wurde beredter und beredter, wohlverstanden ohne dabei seine Hände loszulassen. Wenn ein Soldat nicht gerade jemand umbringt, ist er wie ein Kind. Er ist leicht zu erfreuen. Er ist ans Denken nicht gewöhnt, und wenn man mit ihm spricht, muß er ungeheure Anstrengungen machen, um einen zu verstehen. Der Hauptmann Frémizon hat mich gerade nicht umgebracht und auch nicht getrunken, er hat nichts mit seinen Händen und Füßen angefangen, er hat bloß nachzudenken versucht. Und das war viel zu schwer für ihn. Ich hielt ihn sozusagen am Kopfe fest. Ich fühlte bei dieser fürchterlichen Demütigung, wie mein Selbstgefühl, das schon immer drauf und dran war, mich im Stich zu lassen, plötzlich begann, sich völlig aufzulösen, und wie es dann entschwebte und mich unwiderruflich ganz offenkundig, für immer verließ. Man kann sagen, was man will, so was ist ein schöner Augenblick. Ich fühle mich seither geistig unendlich frei und leicht. Vielleicht hilft einem im Leben die Furcht am meisten. Seit diesem Tag hatte ich gar kein Verlangen mehr nach andern Waffen oder Fähigkeiten. |
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